12. März 2010

Krankenhaus am Sorpesee im Fokus der Patienten

Viele MS- und Parkinsonpatienten finden hier die spezielle Therapie, die in dieser Form als Komplexbehandlung in anderen Kliniken nicht vorhanden ist. Durch die Kombination aus Schulmedizin und komplementären Therapien erzielt das Behandlungsteam beachtliche Erfolge. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Abteilungen wird in der elektronischen Patientenakte dokumentiert und ermöglicht eine optimale Betreuung.

Der Arzt bestimmt die Schwerpunkte der Intervention, um durch ein individuelles Konzept den besten Behandlungserfolg zu erzielen. Als Betroffener erkennt man schnell, dass neben der Medikation ein großes Potential der weiteren Genesung durch die Physiotherapie, die Ergotherapie, die Logopädie, einer aktivierenden Pflege und die optimale Ernährung erschlossen werden kann.

Viele der neurologischen Krankheitsbilder können so im Rahmen eines multimodalen Ansatzes therapiert werden.

Sowohl unsere Umwelt als auch unser eigenes Verhalten wirken sich im Lebenszyklus entscheidend auf den langfristigen Erfolg einer Behandlung aus. Während des Klinikaufenthaltes gibt die Ökotrophologin deshalb wertvolle Tipps, wie man den Verlauf der Erkrankung durch ein bestimmtes Ernährungsverhalten positiv beeinflussen kann. Epidemiologische Studien zeigen beispielsweise, dass Multiple Sklerose gehäuft in der Bevölkerung mit hohem Fettkonsum auftritt. Hier können wir auch heute noch auf wichtige Ergebnisse der Forschung von Dr. med. Joseph Evers (1894-1975) zurückgreifen, der bereits Mitte des 20. Jahrhunderts erkannte, dass die Ernährung bei Stoffwechselerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Er betreute seit 1940 über 12000 MS-Patienten und stellte die gesunde Frischkost in den Mittelpunkt seiner Therapie. Seine Ernährungsempfehlungen berücksichtigten einen hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren. Er kämpfte gegen die Denaturierung der Nahrung und plädierte dafür, die Lebensmittel möglichst natürlich zu belassen und so frisch wie möglich zu verzehren.

Das Ernährungskonzept der Klinik Dr. Evers wird ständig den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und berücksichtigt die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. In der Speisenzubereitung wird ein hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, sowie wenig Zucker, Fett und Genussmittel verwendet. Vollkornprodukte sollten immer bevorzugt werden. Die Patienten können wählen zwischen einer rein lakto-vegetabilen Kostform und einer Vollwertkost mit zwei kleinen Fleisch- und Fischmahlzeiten pro Woche.

Durch eine angepasste Ernährung kann man den Entzündungsprozess bei Autoimmunerkrankungen einschränken. Hier spielt die sogenannte Arachidonsäure eine wesentliche Rolle. Sie wird ausschließlich mit Lebensmitteln tierischer Herkunft aufgenommen. Je mehr Arachidonsäure zur Verfügung steht, desto mehr entzündungsfördernde Eicosanoide werden gebildet. Omega-3-Fettsäuren sind die Gegenspieler der Arachidonsäure und verringern die Bildung der Entzündungsbotenstoffe. Sie sind in fettreichem Seefisch, sowie in verschiedenen Pflanzenölen wie Lein-, Walnuss-, Soja- und Rapsöl enthalten.

Eine gesunde Ernährung bei Multipler Sklerose und anderen Stoffwechselerkrankungen sollte somit in einer multimodalen Behandlung ihren festen Bestandteil einnehmen.