20. November 2009

Im Blickpunkt: Gesunde Ernährung bei MS und anderen Stoffwechselerkrankungen

"Der Mensch ist, was er isst."

Schon Dr. med. Joseph Evers erkannte Mitte des 20. Jahrhunderts, dass die Ernährung bei Stoffwechselerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Er galt als Pionier der Ernährungswissenschaft und war seiner Zeit und den damals üblichen Ernährungsempfehlungen weit voraus. Im Vordergrund seiner Ernährungsempfehlung stand der hohe Anteil an komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren. Er kämpfte gegen die Denaturierung der Nahrung und plädierte, die Lebensmittel so natürlich zu belassen und so frisch wie möglich zu verzehren.

Durch den steigenden Lebensstandard der modernen Industrievölker veränderten sich die Ernährungsgewohnheiten. Der Anteil an tierischem Eiweiß ging rapide in die Höhe. Parallel dazu stiegen die ernährungsbedingten Stoffwechselerkrankungen. Dr. med. J. Evers war einer der ersten, der den Zusammenhang zwischen Ernährung und stoffwechselbedingten Zivilisationskrankheiten erkannte. Er forderte schon zu seiner Zeit, dass die Nahrung hauptsächlich aus pflanzlichen Produkten bestehen sollte. Er führte Studien der vergleichenden Anatomie am Menschen und verschiedenen Säugetieren durch und stellte vor allem das Gebiss und die Verdauungsorgane in den Mittelpunkt. Er kam zu dem Schluss, dass der Mensch ein “Früchte- und Wurzelesser” ist. Er entwickelte daraufhin eine eigene Diät.

Natürlich lässt sich manches seiner Ernährungsempfehlungen in der heutigen Zeit nicht mehr halten. Das Ernährungskonzept wurde ständig aufgrund neuer Erkenntnisse und eigener Erfahrungen erweitert. Unsere Ernährung nach Dr. Evers berücksichtigt die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie ist ausgewogen und vielseitig. Es handelt sich um eine frischkostbetonte Variante der Vollwerternährung. Die lakto-vegetabile Ernährung in unserer Klinik senkt die Zufuhr der entzündungsfördernden Arachidonsäure, die, wie in Untersuchungen nachgewiesen, den Entzündungsprozess bei Autoimmunerkrankungen verstärken. Hochwertige Omega-3-Fettsäuren sind natürliche Gegenspieler der Arachidonsäure. Die kaltgepressten, Vitamin-E-reichen Pflanzenöle wirken antioxidativ und hemmen die Bildung von Entzündungsstoffen im Körper. Wir setzen ausschließlich fettarme Milch- und Milchprodukte ein.  Eine optimale Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die in hohem Maße in der Frischkost der Evers-Diät vorkommen, reduzieren den oxidativen Stress.

Bei einer zuckerreichern Ernährung  kann es zu einer verstärkten hormonell gesteuerten Einschleusung der Arachidonsäure in die Zellen kommen. Stark linolsäurehaltige Pflanzenöle und davon abgeleitete Produkte tragen die Baustoffe zu deren Bildung bei und unterdrücken zusätzlich natürliche Gegenspieler der Arachidonsäure, z.B. Omega-3-Fettsäuren. Aus dem Grunde verzichten wir auf Haushaltszucker, Rohr- und Rübenzucker. Wir verwenden vorwiegend Honig für das Süßen der Speisen.

 

Die Erforschung von Gesundheitszustand und Ernährung wird erst seit einigen Jahren massiv betrieben. Lange wurden ernährungsbedingte Krankheitsursachen nicht beachtet. Erst heute wird ein hoher Verzehr an vitaminreicher Kost, vorwiegend Vollkornprodukte empfohlen.  Die Ernährung sollte aus wenig Zucker, Fett und Genussmitteln, aber aus einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen bestehen.

 

Ernährungsempfehlung bei MS

Über 90% der deutschen Bevölkerung ernähren sich omnivor.

Für MS-Patienten, die absolut nicht auf ihre Fleischmahlzeit verzichten möchten, bieten wir ab dem 23.11.2009 eine Vollkost an. Es wird empfohlen, den Fleischkonsum auf zwei kleine Fleischmahlzeiten pro Woche zu beschränken. Wir achten in unserer Küche auf fettarmes Fleisch, meiden fettige Wurst und Innereien.

Sehr zu empfehlen ist eine Omega-3-fettsäurehaltige Kost mit 2 bis 3 Fischmahlzeiten pro Woche.